27. Annalise-Wagner-Preis

27. Annalise-Wagner-Preis

Peter Walther: Hans Fallada : die Biographie

Peter Walther:
Hans Fallada : die Biographie



 

Berlin : Aufbau Verlag, 2017
Aufbau Taschenbuch, 2018

ISBN 978-3-351-03669-0

 

Im Jahr 2018 ermöglicht eine Spende der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin die Vergabe des Annalise-Wagner-Preises.
Dafür dankt die Annalise-Wagner-Stiftung herzlich!

Aus 75 Vorschlägen und Eigenbewerbungen wählte die Jury zur Auszeichnung mit dem 27. Annalise-Wagner-Preis aus: „Hans Fallada: die Biographie“ von Peter Walther, erschienen 2017 im Aufbau Verlag.

Der Schriftsteller Hans Ditzen (1893 Greifswald - 1947 Berlin) publizierte unter dem Pseudonym „Hans Fallada“ ein literarisches Werk, dessen besten Texten heute weltliterarischer Rang zugesprochen wird. Es war in seiner Zeit - nicht nur als wichtige Stimme der „Neuen Sachlichkeit“ - sehr populär, war nie vergessen und wird seit ca. 15 Jahren von heutigen Generationen in einer „Fallada-Renaissance“ wieder- und neu entdeckt. Erstmals editierte Originalfassungen wichtiger Fallada-Romane wurden in Deutschland zu Bestsellern und erschienen in mehr als 30 Ländern. Frische Quellenfunde wurden publiziert, die das breite Interesse an seiner dramatischen Biografie lebendig erhalten, in der biografischen Forschung Lücken füllen, Konturen schärfen und die komplexen Zusammenhänge zwischen Biografie, Werk und Zeitgeschichte neu ausleuchten.

Das ist auch für die Region Mecklenburg-Strelitz eine wichtige und spannende „Literatur-Geschichte“, sind doch sowohl Leben und Werk Hans Falladas als auch die Bewahrung, Erforschung und Vermittlung seines literarischen Erbes eng mit dieser Region verbunden.

Nach dem Welterfolg von „Kleiner Mann was nun“ (1932) war 1933 der Umzug nach Carwitz in der Feldberger Seenlandschaft für Hans Fallada „der zweite Wendepunkt in seinem Leben[1]“. Mehr als ein Jahrzehnt, während der gesamten Zeit der NS-Diktatur, lebte er in diesem Rückzugsort als Landwirt, Familienvater und als produktiver Autor, hier entstanden u. a. 20 Romane. 1944 zerbrach seine Ehe, Hans Fallada wurde in der Landesanstalt Neustrelitz-Strelitz inhaftiert und verfasste ein geheimes Gefängnistagebuch. 1945 war er für kurze Zeit Bürgermeister in Feldberg. Heute ist das ehemalige Wohnhaus in Carwitz als Hans-Fallada-Museum ein „Kultureller Gedächtnisort von nationaler Bedeutung“. Hans Falladas literarischer Nachlass ist Eigentum des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und steht im Hans-Fallada-Archiv in Carwitz der Forschung zur Verfügung, ergänzt durch die Hans-Fallada-Sammlung des Literaturzentrums Neubrandenburg. Für die Pflege dieses kulturellen Erbes und seine kreative Vermittlung engagieren sich die Hans-Fallada-Gesellschaft e. V. mit Sitz in Carwitz und die Hans-Fallada-Stiftung, deren Stifter und Sitz die Stadt Neubrandenburg ist.

Die aktive Auseinandersetzung mit Falladas Leben und Werk hat in der Region des Annalise-Wagner-Preises besonderen Stellenwert für kulturelle und historische Bildung und findet breites Interesse.

Aus den - rund um den 70. Todestag Falladas 2017 und 125. Geburtstag 2018 - neu erschienenen Publikationen zu Leben und Werk lag der Jury als Leservorschlag die 2017 im Aufbau-Verlag erschienene und 2018 als Taschenbuch herausgegebene Schriftstellerbiografie „Hans Fallada: die Biographie“ von Peter Walther vor.

Der Germanist Peter Walther schildert „das Leben des Schriftstellers dicht entlang der Quellen“[2]  beeindruckend detailreich, schlüssig und überzeugend. Aus der „überreichen schriftlichen Überlieferung“[3] kundig ausgewählte „sprechende“ Quellen-Zitate öffnen dem Leser einen authentischen und differenzierten Blick in Falladas Zeit, auf sein dramatisches Leben und vielfältiges Werk. 

Dabei kann der Biograf (wie zeitgleich Andre Uzulis: Hans Fallada: Biografie, Steffen Verl., 2017, nicht Gegenstand der Jury-Arbeit) Quellen und Forschungsergebnisse einbeziehen, die seit Erscheinen der verdienstvollen Fallada-Biografie von Jenny Williams (Mehr Leben als eins, 2002) neu entdeckt bzw. publiziert wurden. Dazu gehören z. B. Familienkorrespondenz, Krankenakten, Briefe aus dem Reichsarbeitsdienst und nicht zuletzt das transkribierte Alt-Strelitzer Gefängnistagebuch von 1944. Viele Quellen (u. a. aus dem Literaturarchiv Marbach und dem Hans-Fallada-Archiv in Carwitz) werden erstmals zitiert und veröffentlicht. Mit diesem „quellen-geschärften“ Blick werden insbesondere Facetten zu Falladas Leben und Werk während der NS-Diktatur mit ihren Bezügen zu Carwitz und Neustrelitz neu beleuchtet und hinterfragt.

Im Verknüpfen von Zeitzeugnissen, Werkzitaten und biografischer Erzählung glückt Peter Walther ein bewegend „lebendiges Bild des Schriftstellers in seinen täglichen Bezügen“[4] :lebendig im Sinne so plastischer wie widersprüchlicher, in ihrer Ambivalenz erschütternder Bilder einer zerrissenen Persönlichkeit und eines vielgestaltigen Werkes, lebendig im Sinne einer fesselnden Erzählweise.

Er erzählt klar, stringent, strukturiert und findet dabei einen sachlichen wie warmherzigen Ton, in dem sich die kritische Distanz des Literaturwissenschaftlers mit Respekt und sensibler Empathie verbinden. Peter Walther gelingt es mit dem Anspruch des Literaturhistorikers und doch überraschend leichthändig, Leser zu sensibilisieren für komplexe Wechselwirkungen zwischen Leben und Werk, Kultur-  und Zeitgeschichte.

Deutlich vermittelt er dabei die Ambivalenz, die Widersprüche, die mehrfachen Brüche und Rätsel der Persönlichkeit, der Lebensgeschichte und des literarischen Werks, stellt die verschiedenen Bilder nebeneinander, die sich „nicht zur Deckung bringen lassen“: „Hier der disziplinierte Arbeiter, der pedantisch den Alltag plant, der respektierte Landwirt, der liebende Familienvater und zuverlässig für seine Angestellten sorgende Vorstand des Hauses, der Schriftsteller, der mit beachtlichen Einkünften die wirtschaftliche Grundlage seines Kleinbetriebes sichert. Und dort der Künstler, bedrängt von seinen Dämonen, der Frauenheld, der politische Opportunist, der Tobsüchtige, der Alkoholiker und Morphinist.“[5] Es ist der differenzierte Blick des Biografen auf Falladas vielschichtiges Leben und Schreiben, der fesselt, nachhaltig nachwirkt und Leser „die Faszination entdecken“ lässt, „ die von der Biographie des Schriftstellers ausgeht“.[6]

Mit Peter Walthers packend erzählter Fallada-Biografie gehen Leser auf eine erhellende kultur- und zeitgeschichtliche Entdeckungsreise, tauchen ein in eine an- und aufregende biografische Erzählung - und nicht zuletzt: in ein inspirierendes Lese-Erlebnis. Eine Schriftstellerbiografie, spannend wie ein Roman, mit der sich Hans Fallada bestens entdecken – und neu entdecken lässt.

Für die Jury des Annalise-Wagner-Preises verbinden sich in dieser Schriftstellerbiografie ein enger Bezug zur Region Mecklenburg-Strelitz mit hoher inhaltlicher und sprachästhetischer Qualität sowie Annalise Wagners Anliegen, dem Wert von Biografien für das „Gedächtnis der Region“ besondere Aufmerksamkeit zu widmen.

Vor dem Hintergrund des Jahres des europäischen Kulturerbes 2018 und des 125. Geburtstags von Hans Fallada am 21. Juli 2018 setzt auch diese Preisvergabe ihren kleinen Spot darauf, was uns heute Leben und Werk Hans Falladas zu sagen haben. Insbesondere Falladas „Carwitzer Jahre“ regen an zur Auseinandersetzung mit Themen wie Diktaturen und Meinungsfreiheit, Anpassung und Widerstand, Zivilcourage und Verantwortung … - und dem Preisträgerbuch gelingt es, diese Fragen weise und leise anklingen zu lassen.

Dr. Peter Walther

Dr. Peter Walther,

geboren 1965 in Berlin, studierte in Greifswald, Berlin und Essen Germanistik und Kunstgeschichte und wurde 1995 in Berlin promoviert. Zusammen mit Birgit Dahlke, Klaus Michael und Lutz Seiler gab er die Literaturzeitschrift „Moosbrand“ heraus. Heute leitet er gemeinsam mit Hendrik Röder das Brandenburgische Literaturbüro in Potsdam. Er ist Mitbegründer des Literaturportals „literaturport“ und des Portals für Literatur und Alltag in Berlin-Brandenburg Zeitstimmen und veröffentlichte Bücher zur Geschichte der Fotografie sowie zu Schriftstellern wie Johann Wolfgang von Goethe, Peter Huchel, Günter Eich und Thomas Mann.

 

Jurybegründung (Download als PDF)

Presseinformation (Download als PDF)

Presse (Auswahl)

Steffen, Marlies: Literaturpreis für Buch über Fallada. – In: Uckermark-Kurier (2018-06-02) . – S. 5 (PDF)

Annalise-Wagner-Preis 2018 wird vergeben. – In: Strelitzer Echo (2018-06-23). – S. 5  (PDF)

Sommer, Heike: Literaturpreis für Fallada-Biografen. – Nordkurier : Strelitzer Zeitung (2018-07-02). – S. 17 (PDF)

Steffen, Marlies: Falladas neue Seite - welche ist das, Herr Walther? : Interview mit Dr. Peter Walther, Träger des diesjährigen Annalise-Wagner-Preises. - In: Nordkurier : Strelitzer Zeitung (2018-07-18). - S. 18 (PDF)

Preisverleihung

Der 27. Annalise-Wagner-Preis war mit 2.500 Euro dotiert. Die Preisvergabe wurde gefördert durch die Sparkasse Neubrandenburg-Demmin.

Die öffentliche Verleihung des Annalise-Wagner-Preises an Dr. Peter Walther fand anlässlich des 115. Geburtstages von Annalise Wagner (1903-1986) am 30. Juni 2018 im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz statt.  

Einladung (PDF)

Die Laudatio für Dr. Peter Walther hielt Dr. Peter Böthig, Leiter des Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums im Schloss Rheinsberg und des Alfred Wegner-Museums Zechlinerhütte, Mitglied des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten sowie der Christa-Wolf-Gesellschaft, Autor und Herausgeber von Publikationen u. a. zu Kurt Tucholsky, Christa und Gerhard Wolf.

Laudatio von Dr. Peter Böthig für Dr. Peter Walther (PDF)

Dankwort von Dr. Peter Walther (PDF)

Achim Ditzen, Kuratoriumsvorsitzender der Hans-Fallada-Stiftung, Vorstandsmitglied der Hans-Fallada-Gesellschaft und jüngster Sohn Hans Falladas überbrachte persönliche Glückwünsche sowie Grüße aus dem Hans-Fallada-Museum,
Erika Becker gratulierte im Namen des Neubrandenburger Literaturzentrums und als Leiterin des Hans-Fallada-Archivs.

Grußwort Hans-Fallada-Gesellschaft e.V. und Hans-Fallada-Museum (PDF)

Gratulation Literaturzentrum Neubrandenburg e.V. (PDF) folgt noch

 

Mehr Informationen gibt es bei der Geschäftsstelle der Annalise-Wagner-Stiftung:
Kontakt: Telefon 0395 / 5551333, Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, Ansprechpartner: Heike Birkenkampf.

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[1] Walther, Peter: Hans Fallada : die Biographie, Aufbau Verlag, 2017, S. 219
[2] Walther, Peter: Hans Fallada : die Biographie, Aufbau Verlag, 2017, S. 512
[3] Walther, Peter: Hans Fallada : die Biographie, Aufbau Verlag, 2017, S. 511
[4] Walther, Peter: Hans Fallada : die Biographie, Aufbau Verlag, 2017, S. 511
[5] Walther, Peter: Hans Fallada : die Biographie, Aufbau Verlag, 2017, S. 437
[6] Walther, Peter: Hans Fallada : die Biographie, Aufbau Verlag, 2017, S. 437

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