Stiftungsporträt Annalise-Wagner-Stiftung

aktualisiert am 01.07.2008

Die Annalise-Wagner-Stiftung verwirklicht ein Vermächtnis Annalise Wagners

Stiftungsporträt

Annalise Wagner (1903 – 1986) stellte sich eine besondere Lebensaufgabe: Sie wollte helfen, ihrer Heimatregion Mecklenburg-Strelitz nach dem Verlust von Landeshauptarchiv (1934), Landesmuseum (1945) und Landesbibliothek (1950) wieder ein „historisches Gedächtnis“ zu geben. Und sie hat Bemerkenswertes erreicht: Annalise Wagner hinterließ als unermüdliche Heimatforscherin und produktive Autorin, als Gründerin des Karbe-Wagner-Archivs (1956), als langjährige Herausgeberin der „Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs“ und als Wegbereiterin für das neue Museum der Stadt Neustrelitz (1973) ein materielles und ein geistiges Vermächtnis, das für das „historische Gedächtnis“ der Region und für nächste Generationen von großem Wert ist. Annalise Wagners besonderes Engagement für ihre Heimat fand darüber hinaus seinen Ausdruck in einer ganz besonderen Form: mit ihrem letzten, ihrem testamentarischen Vermächtnis legte Annalise Wagner die Grundlage für die Errichtung der ersten neuen Kulturstiftung nach 1990 - die Annalise-Wagner-Stiftung - und für den ersten privat "angestifteten" regionalen Literaturpreis im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern, den Annalise-Wagner-Preis.


Stifter sind besondere Menschen : Annalise Wagners Testament

„Stifter sind besondere Menschen“ wird in Publikationen zum Stiftungswesen betont. Stifter beweisen besonderes persönliches Interesse und Verantwortungsbewusstsein z. B. für Kultur, Kunst, Wissenschaft, Bildung oder Umweltschutz. Stifter leisten Besonderes: Sie stellen Privatvermögen als Stiftungskapital für ewig einem gemeinnützigen Zweck zur Verfügung. Und Stifter „leisten sich“ etwas Besonderes: Sie können nicht nur die Verwirklichung eigener Visionen „anstiften“, sondern auch andere Menschen für bürgerschaftliches Engagement gewinnen und nachhaltig in die Zukunft wirken. Manchmal aber gehören auch tragische Lebensakzente, Einsamkeit oder Familienverlust zum Stifterschicksal.

Auch Annalise Wagner ist eine Stifterin – und war solch ein besonderer Mensch. Ausführlich wird in biografischen Skizzen und Erinnerungen beschrieben, wie sie sich als Heimatforscherin, Sammlerin und Autorin, als Gründerin des Karbe-Wagner-Archivs und des Museums der Stadt Neustrelitz für das „historische Gedächtnis“ ihrer Heimatstadt Neustrelitz und Heimatregion Mecklenburg-Strelitz einsetzte. Und es wird auch berichtet, wie beziehungsreich ihr Pseudonym „Anna Eckstein“ lesbar ist: Als „Eckstein“ gab sie viele Anstöß
e, „die in die Zukunft weisen“ (Landessuperintendent Kurt Winkelmann) und als „Eckstein“, als „unbequeme Kämpfernatur“ mit „kompromisslosem Anspruch an die Freiheit des Geistes“ (Winfried Wegener) erregte sie Anstoß und geriet in Konflikte.

Ihre tiefe Enttäuschung und Kränkung über die Behandlung durch staatliche und kulturpolitische Entscheidungsträger der Stadt Neustrelitz und des Rates des Bezirkes Neubrandenburg in ihren letzten Lebensjahren spielte deshalb eine Rolle, als sie im Februar 1986 in ihrem Testament festlegte:
„Zu meinem alleinigen Erben ernenne ich die Stadt- und Bezirksbibliothek Neubrandenburg. Sie soll alles erhalten, was bei meinem Tode an Nachlass vorhanden ist. Übergehen sollen auf sie auch alle Rechte, die mir aus meiner literarischen Tätigkeit zustehen.“ Zu Mitarbeiterinnen der Neubrandenburger Stadt- und Bezirksbibliothek  (ab 1990 Regionalbibliothek) hatte Annalise Wagner bis zuletzt ein gutes persönliches Verhältnis, schätzte deren fachliche Arbeit beim Aufbau der Sammlungen „Regionalliteratur“ und „Literarisches Erbe“ und sah im Bibliothekskonzept (Aufbau einer Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek des Bezirkes Neubrandenburg auf der Grundlage der DDR-Bibliotheksverordnung) einen wichtigen Beitrag zum „historischen Gedächtnis der Region“.
 
Ihr Testament ist gleichzeitig aber auch ein Dokument des Zukunftsvertrauens und der Konsequenz, mit der Annalise Wagner ihrer Lebensaufgabe treu blieb. Sie formulierte in klarem Bewusstsein, dass dieser Wunsch unter den gegebenen kulturpolitischen und rechtlichen Bedingungen nicht realisierbar war: „Da in meinem gesamten Leben die mecklenburgische Kulturgeschichte große Bedeutung hatte, ist es mein Wunsch, aus einem Teil des Nachlasses die weitere Aufarbeitung der mecklenburgischen Kulturgeschichte auch künftig zu fördern bzw. zu unterstützen. ... Aus den Zinsen [des nachgelassenen Barvermögens] soll jährlich eine derartige Arbeit, sei es in Prosa , Lyrik, Biografie, Geschichte usw., die einen besonderen Wert hat, mit einem Preis gewürdigt werden.“

Nach Annalise Wagners Tod am 26. Juni 1986 nahm die Stadt- und Bezirksbibliothek Neubrandenburg deren verpflichtendes Erbe an.

Sie übergab 1989/90 auf der Grundlage einer vertraglichen Regelung alle musealen Sammlungsgüter mit Eigentumsübertragung an das Museum der Stadt Neustrelitz und den archivarischen und literarischen Nachlass Annalise Wagners zur wissenschaftlichen Aufbereitung und Nutzung als Dauerleihgabe an das Karbe-Wagner-Archiv Neustrelitz. Auch finanzielle Mittel aus dem Nachlass wurden bereitgestellt, um Sanierungsarbeiten an diesen beiden öffentlichen Einrichtungen zu unterstützen, deren Begründung zu Annalise Wagners bleibenden Verdiensten zählt.



Eine besondere Rechtsform für Annalise Wagners Vermächtnis : unselbstständige Stiftung

Durch Annahme des Erbes Annalise Wagners übernahm die Stadt- und Bezirksbibliothek Neubrandenburg nach dem Erbrecht die gesetzliche Pflicht zur Erfüllung aller Auflagen des Testaments. Die Auflage, aus dem finanziellen Nachlass einen regionalen Literaturpreis ins Leben zu rufen, war jedoch 1986 bis 1990 unter den rechtlichen und kulturpolitischen Bedingungen der DDR nicht zu verwirklichen. Als aber 1990 das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern entstand und sich die gesetzlichen Grundlagen durch die Gültigkeit des Grundgesetzes und des Bürgerlichen Gesetzbuches im Gebiet der ehemaligen DDR änderten, ergriff die Neubrandenburger Bibliothek sofort die Initiative zur Vorbereitung der Erfüllung dieser testamentarischen Auflage.

Annalise Wagners Formulierungen im Testament ließen ja eindeutig darauf schließen, dass sie die Errichtung einer Stiftung von Todes wegen durch ein Vermächtnis mit Auflage wollte: Sie benannte genau die Höhe der Vermögenszuwendung (Stiftungskapital), definierte den Zweck der Zuwendung (Stiftungszweck) und wünschte ausdrücklich die nachhaltige Zweckerfüllung. Verwalter / Stiftungsträger sollte der Erbe selbst sein („Die für die Verleihung des Preises erforderlichen Voraussetzungen sind durch meinen Erben zu schaffen.“). Unter den kulturpolitischen und rechtlichen Bedingungen des Jahres 1986 konnte Annalise Wagner die gewünschte organisatorische Form zwar nicht mit dem Begriff „Stiftung“ benennen, formulierte aber alle Voraussetzungen für die Errichtung einer „Stiftung von Todes wegen“. Nur einer Stiftung war es möglich, Annalise Wagners nachgelassenes Barvermögen „für die Ewigkeit“ dem von ihr bestimmten Zweck zu sichern, ihr Vermächtnis nachhaltig zu verwirklichen und weit in die Zukunft zu tragen.

Allerdings existierte damals noch kein Stiftungsgesetz für das Land Mecklenburg-Vorpommern (trat am 24. 2. 1993 in Kraft), die Errichtung sollte möglichst schnell und mit geringem Verwaltungsaufwand verwirklicht werden - und die Vermögenszuwendung war mit 98.531,74 DM zu gering, um aus den Zinsen dieses Stiftungskapitals die Arbeit einer rechtsfähigen Stiftung zu finanzieren. Deshalb bot sich an, als Rechtsform eine damals ungewöhnliche Variante zu wählen: die Rechtsform einer „nicht rechtsfähigen“ oder „treuhänderischen Stiftung bürgerlichen Rechts“, die alle Elemente einer selbstständigen Stiftung verwirklicht – außer der Rechtsfähigkeit.

Der Treuhänder oder Stiftungsverwalter einer solchen Stiftung muss rechtlich selbstständig sein. 1990 wurde allerdings die bisher rechtlich selbstständige Stadt- und Bezirksbibliothek Neubrandenburg eine rechtlich unselbstständige, nachgeordnete kommunale Einrichtung der Stadt Neubrandenburg und änderte ihren Namen nach der Auflösung der Bezirke in "Regionalbibliothek". Treuhänder / Stiftungsverwalter einer Treuhandstiftung von Todes wegen auf der Grundlage von Annalise Wagners Testament musste also der Rechtsträger der Regionalbibliothek, die Stadt Neubrandenburg, sein.

Auf Initiative der Regionalbibliothek begann noch im Herbst 1990 die Erarbeitung von Stiftungssatzung und Statut des Literaturpreises. Am 19. 3. 1991 brachte das Dezernat Bildung, Kultur, Jugend und Sport der Stadtverwaltung Neubrandenburg die Beschlussvorlage „R 04 –14 /91: Errichtung der Annalise-Wagner-Stiftung“ in die Ratsversammlung ein. Am 8. Mai 1991 beschloss die Stadtvertreterversammlung der Stadt Neubrandenburg einstimmig die Errichtung der „Annalise-Wagner-Stiftung“ als „nicht rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts mit Sitz in Neubrandenburg“, ausgestattet mit einem Stiftungsvermögen in Höhe von 98.531,74 DM in bar – und schuf damit die rechtliche und organisatorische Grundlage für die Verwirklichung des testamentarischen Vermächtnisses Annalise Wagners.

Die besondere Verbindung der Regionalbibliothek mit der Stiftung wurde bei der Erarbeitung der Satzung berücksichtigt, indem „der Leiter der Regionalbibliothek geborenes Mitglied des Kuratoriums und ein weiterer Mitarbeiter Mitglied des Vorstands“ ist. Die Geschäftsordnung des Vorstands weist dem Vorstandsmitglied aus der Regionalbibliothek Geschäftsstellen-Aufgaben zu, insbesondere die Verantwortung für Stiftungsorganisation, Informationsaustausch und Öffentlichkeitsarbeit. Die Stadt Neubrandenburg sichert die personelle Anbindung der Stiftung an die Regionalbibliothek durch die Übernahme dieser Festlegungen in Aufgabenkataloge von Planstellen der Regionalbibliothek.

Die Errichtung der Annalise-Wagner-Stiftung und deren erfolgreiche Arbeit sind in besonderem Maße ganz persönliche Verdienste von Gudrun Mohr. Die Neubrandenburger Bibliothekarin setzte sich außerordentlich für die schnelle Stiftungserrichtung ein, legte 1991 - 2003 als Geschäftsführerin die Grundlagen für die erfolgreiche Entwicklung der Annalise-Wagner-Stiftung und leistet ab 2004 als Kuratoriumsmitglied sehr engagierte Stiftungsarbeit. Für ihr hervorragendes Bürgerengagement wurde Gudrun Mohr auf Beschluss der Stadtvertretung vom 16. 11. 2006 während des Bürgerempfangs am 04. 01. 2007 mit einem Eintrag in das Ehrenbuch der Stadt Neubrandenburg ausgezeichnet.

Die Annalise-Wagner-Stiftung war 1991 die erste (Kultur-) Stiftung, die nach Gründung des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern (1990) entstand und eine der frühesten Stiftungs-Neugründungen in den neuen Bundesländern. Das spricht für das Engagement der Regionalbibliothek und der Stadt Neubrandenburg bei der Erfüllung des testamentarischen Vermächtnisses, vor allem aber für Annalise Wagners anrührende, bewegende Zukunftsgewissheit: Es war ihr zu Lebzeiten unmöglich, einen regionalen Literaturpreis für Mecklenburg-Strelitz ins Leben zu rufen, aber sie übergab mit ihrem Testament nächsten Generationen dafür sowohl die Idee, die finanzielle Möglichkeit und den rechtlich bindenden Auftrag.

Der Stiftungszweck : Annalise Wagners Vision vom regionalen Literaturpreis

Annalise Wagner wusste aus eigener Erfahrung: Texte, die Daten und Fakten, Gedanken und Gefühle, Welt- und Zukunftsbilder bewahren und weitergeben, Kommunikation, Reflexion und Forschung ermöglichen, sind ein spezifischer und ein wichtiger Teil des „Gedächtnisses einer Region“. Auch nachfolgende Generationen können aus diesen Quellen schöpfen. „Nur der vermag sich die Zukunft zu bauen, der die geschichtliche Vergangenheit trotz kritischer Wertung achtet, der die Eigenart unseres Heimatlandes liebt  ...“, formulierte Annalise Wagner einmal ihr Credo.
Und es war ihr ein Bedürfnis, mit ihrem Testament einen neuen Literaturpreis "anzustiften", der dazu beiträgt, den ganz besonderen Wert von Texten und die Leistungen von Autoren für das "Gedächtnis" der Region Mecklenburg-Strelitz besser zu würdigen, die Öffentlichkeit für Wert und Wirkung von Regionalliteratur zu sensibilisieren und in der Region eine kulturelle Atmosphäre zu fördern, die literarische Produktion und Publikation anregt.

Als Stiftungszweck ist deshalb in der Satzung der Annalise-Wagner-Stiftung festgeschrieben: „Zweck der Stiftung ist es, die weitere Aufarbeitung der mecklenburgischen Kulturgeschichte ... zu unterstützen und zu fördern. Der Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die jährliche Auszeichnung einer Arbeit in Prosa oder Lyrik, zu Biografie, Geschichte oder einer Arbeit, die der Fortführung der von Annalise Wagner begonnenen „Enzyklopädie verdienter Mecklenburger“ dient mit dem Annalise-Wagner-Preis. Alternativ ist auch die Vergabe eines Stipendiums möglich, für welches die Stipendiaten Leistungen mit gleicher inhaltlicher Zielsetzung erbringen müssen.“ Das Statut des Annalise-Wagner-Preises legt fest: „Der Preis wird vergeben für wissenschaftliche, populärwissenschaftliche oder belletristische Arbeiten aller Gattungen und Genres, soweit sie sich inhaltlich auf das Stargarder Land beziehen oder von in dieser Region lebenden Autoren verfasst wurden.“

Namensgeberin des Literaturpreises ist selbstverständlich Annalise Wagner – als Stifterin, aber auch in Würdigung ihres Engagements als Buchhändlerin und Archivarin, als Heimatforscherin und produktive Autorin, als Initiatorin und Herausgeberin der verdienstvollen „Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs und nicht zuletzt in Erinnerung an ihre Bereitschaft, Autorinnen und Autoren, die als Laien oder professionelle Historiker regionalkundlich forschten und publizierten, mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.


Erfolgreiche Stiftungspraxis: Annalise-Wagner-Preis, Lobende Anerkennung für junge Autoren

Allein die Zahl von bisher insgesamt 583 Bewerbungen und Vorschlägen belegt, wie bekannt und begehrt der Annalise-Wagner-Preis inzwischen ist. Die Arbeit der Jury, in die jährlich neue Mitglieder des Kuratoriums der Stiftung und Vertreter von Kultur-, Geschichts-, Literatur- oder Heimatvereinen aus der Region berufen werden, ist in jedem Jahr anspruchsvoll. Zu bewerten sind ja ganz unterschiedliche literarische Genres, z. B. Gedichte, dramatische Entwürfe, umfangreiche Romanmanuskripte, populärwissenschaftliche und wissenschaftliche Abhandlungen u. a. zu Geschichte, Naturkunde, Biografie, Volkskunde der Region oder Kinderliteratur. In den letzten Jahren nahm nicht nur die Quantität der Bewerbungen und Vorschläge zu, sondern vor allem deren Qualität - was die  Entscheidung für nur einen Preisträger nicht gerade leichter macht. Ein besonders herzliches Dankeschön der Stiftung gilt deshalb allen 102 Jurymitgliedern, die seit 1992 ehrenamtlich tätig waren!

Mit dem Annalise-Wagner-Preis zeichnete die Annalise-Wagner-Stiftung 1992 bis 2007 aus:
die numismatische Untersuchung von Jörg Sachse aus Neustrelitz „Das Notgeld des heutigen Kreises Neustrelitz“ (1992), die volkskundliche Sammlung und Dorfchronik von Gisela Krull aus Peckatel „Von Bauern, Rittern und Gespenstern – vorgestern und gestern in Peckatel“(1993), den historisch biografischen Roman „Friederike Auguste Krüger“ von Anita Heiden-Berndt (1929 – 2005) aus Neubrandenburg (1994), die populärwissenschaftliche verkehrsgeschichtliche Abhandlung „Eisenbahnen in Mecklenburg-Strelitz“ von Werner Lexow (1927 – 2004)  aus Neubrandenburg  (1995), die sportwissenschaftliche Untersuchung „Turner auf zum Streite: die Anfänge des Vaterländischen Turnens und das Wirken Friedrich Ludwig Jahns in Mecklenburg-Strelitz“ von Dr. Dietrich Grünwald (1932 – 2000) aus Neubrandenburg (1996), die Biografie „Heinrich Schliemann : ein berühmter Mecklenburger“ von Dr. Wilfried Bölke aus Ankershagen (1997), das Manuskript „Ein ehemaliger Neustrelitzer Bürger: Hans-Jürgen Graf von Blumenthal“ von Maria Neuhaus aus Fulda (1998), die migrationsgeschichtliche wissenschaftliche Arbeit „Entlassen aus dem Untertanenverband : die Amerika-Auswanderung aus Mecklenburg-Strelitz im 19. Jahrhundert von Dr. Axel Lubinski aus Cammin (1999), das Biographie-Manuskript „Johann Heinrich von Thünen : ein Lebensbild“ von Renate Hippauf aus Tenzke (2000), die medizingeschichtliche Spurensuche „Domjüch : Erinnerungen an eine Heil- und Pflegeanstalt in Mecklenburg-Strelitz“ von Christiane Witzke aus Neustrelitz  (2002), die theatergeschichtliche Publikation „Theater in Neubrandenburg : Beiträge zur Geschichte darstellenden Verhaltens“ von Matthias Wolf aus Neubrandenburg (2003), den Erzählungsband „Zweieinhalb Tage“ des Neubrandenburgers Roland Gutsch (2004), die bildungsgeschichtliche Studie „Schule in Mecklenburg-Strelitz : Studien zum Schulwesen in Friedland im Kontext mit der Entwicklung des Bildungswesens in Mecklenburg-Strelitz (1701 - 1933)“ von Dr. Wolfgang Barthel aus Friedland (2005), den historischen Abriss „Auf der Suche nach Rethra. Die Prillwitzer Idole“ von Rainer Szczesiak aus Roga (2006), das Manuskript des Kompendiums
„Herrschaftliche Wohnhäuser auf den Gütern und Domänen in Mecklenburg-Strelitz : Architektur und Geschichte“ von Prof. Dr.-Ing. Sabine Bock aus Schwerin (2007) und die Zeitzeugen-Dokumentation „’Das ist so’n zweischneidiges Schwert hier unser KZ…’ : Der Fürstenberger Alltag und das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück“ von Dr. Annette Leo aus Berlin.

Annalise Wagners Wunsch, mit dem regionalen Literaturpreis u. a. auch Arbeiten zu würdigen, die das Anliegen ihrer „Enzyklopädie berühmter Mecklenburger“ fortsetzen, entsprechen 5 der Preisträgerarbeiten. ihrer Intention, mit dem Preis die Beschäftigung von Laien mit regionaler Kulturgeschichte und mit literarischem Schreiben zu würdigen, werden 14 Preisträger gerecht.

2004 entschieden sich Jury und Kuratorium - erstmals in der Stiftungsgeschichte - für die Vergabe des Annalise-Wagner-Preises an einen Text, der inhaltlich nicht Bezug nimmt auf die Region Mecklenburg-Strelitz, sondern Regionalliteratur ist durch den Wohnort des Verfassers. Die Auszeichnung des Erzählungsbandes "Zweieinhalb Tage“ des Neubrandenburgers Roland Gutsch setzte ein viel beachtetes Zeichen für diesen besonderen Regionalliteratur-Aspekt des Annalise-Wagner-Preises.

Stiftungsgeschichte schrieb auch die Verleihung des Annalise-Wagner-Preises 2007 an Prof. Dr.-Ing. Sabine Bock: Ihr dreibändiges Inventar der Guts- und Herrenhäuser von Mecklenburg-Strelitz entstand in mehr als 15jähriger Freizeitforschung, lag der Jury des Annalise-Wagner-Preises im Manuskript vor und gilt heute bereits als
neues Standardwerk zur mecklenburg-strelitzschen Architekturgeschichte, als wichtiger Beitrag zur Landesgeschichtsschreibung und als Basis für weitere Forschungen zur Typologie des ostelbischen Herrenhauses. Es setzt Maßstäbe für die wissenschaftliche Erfassung von Guts- und Herrenhäusern, ist ein nachhaltiger Beitrag zur Erforschung und Erhaltung historischer Kulturlandschaften, öffnet die Augen für diesen besonderen „Schatz“ der Region Mecklenburg-Strelitz und des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern und trägt auf beeindruckendem wissenschaftlichem Niveau zur Aufarbeitung mecklenburgischer Kultur- und Landesgeschichte bei. Finanzministerin Sigrid Keler betonte in ihrer Laudatio, dass die Beschäftigung mit Guts- und Herrenhäusern direkt „zum Kern unserer regionalen Kulturgeschichte“ führt und „dass es auch mit Hilfe dieses beeindruckenden Kataloges gelingen wird, das eine oder andere Objekt dem Vergessen zu entreißen“. Im Juni 2008 konnte das Manuskript mit Unterstützung des Ostdeutschen Sparkassenverbandes und des Zukunftsfonds des Landes Mecklenburg-Vorpommern im Schweriner Thomas-Helms-Verlag veröffentlicht werden - und trägt nun auf ganz besondere Weise dazu bei, in der Region Mecklenburg-Strelitz und im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern historische Kulturlandschaften zu erhalten sowie die Dachmarke "Schlösser, Gärten, Herrenhäuser" zu etablieren.

Auch der Annalise-Wagner-Preis 2008 setzte einen ganz besonderen Akzent für die Auseinandersetzung mit Regionalgeschichte.
Mit dem Annalise-Wagner-Preis 2008 ausgezeichnet wurde die Berliner Historikerin Dr. Annette Leo. Die Annalise-Wagner-Stiftung würdigte ihre Publikation „Das ist so’n zweischneidiges Schwert hier unser KZ…“ : Der Fürstenberger Alltag und das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück (Metropol-Verlag 2007, ISBN 978-3-938690-61-1) über Zeitzeugen-Erinnerungen aus der ehemals mecklenburg-strelitzschen Stadt Fürstenberg als wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung mecklenburgischer Geschichte und überzeugendes Beispiel für einen neuen Ansatz in der Geschichtskultur, „der weniger in vereinfachenden Schwarz-Weiß-Schablonen als in andauernden Widersprüchlichkeiten argumentiert“. Annette Leos nichtideologischer, sensibler, „leiser“ Text fordert und fördert eine „aktive Haltung des Erinnerns“, eine aktive Auseinandersetzung mit Brüchen und Widersprüchen in historischen Prozessen und in Erinnerungsprozessen, ein aktives Wahrnehmen persönlicher Verantwortung. In ihrer persönlichen Gratulation erinnerte Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider daran, dass nichts die persönliche Erfahrung, die Begegnung mit Zeitzeugen ersetzen kann. … Umso wichtiger ist es, jetzt deren Erinnerungen festzuhalten, um auch künftigen Generationen zu vermitteln, was in dem dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte geschehen ist und wie die betroffenen Menschen damit fertig geworden sind.“ Vor dem Hintergrund verstärkter rechtsextremer Aktivitäten im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern sei es wichtig, dass jeder sich mit seinen Möglichkeiten einbringt in ein starkes Bündnis für Demokratie und Toleranz – und auch die Annalise-Wagner-Stiftung habe „durch die Verleihung des Annalise-Wagner-Preises an Dr. Annette Leo … in ihrem Wirkungskreis und mit ihren Möglichkeiten einen wichtigen Beitrag zur Festigung der Demokratie in unserem Land geleistet“. Im Namen der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück gratulierte Leiterin Dr. Insa Eschebach zum Annalise-Wagner-Preis für ein „sehr wichtiges Geschichts- und Geschichtenbuch“ – und betonte: „Die Verleihung des Annalise Wagner Preises an Annette Leo lese ich zugleich auch als ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit, des Interesses und der Verantwortung, die diese Region für die Geschichte des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück übernimmt.“

Die Verleihung des Annalise-Wagner-Preises findet im Juni jeden Jahres zum Geburtstag der Stifterin statt, immer öffentlich, in festlichem Rahmen und an einem kulturhistorisch interessanten Ort der Region. Ganz in Annalise Wagners Sinne möchte die Stiftung auch mit dem Ort der Preisverleihung darauf aufmerksam zu machen, wie reich und vielfältig die Kulturgeschichte der Region Mecklenburg-Strelitz ist, wieviel „Kulturgeschichte zum Anfassen“, welche „historischen Orte“ es zu entdecken gibt und vor allem: wie viele Bürger sich ehrenamtlich für ihre Heimat und für die „Wiederentdeckung“, Erhaltung und Nutzung ihrer kulturhistorischen Schätze engagieren.

Die Vorstellung jedes Preisträgers und des inhaltlichen Rahmens jeder Preisverleihung sprengt natürlich den Rahmen dieses Stiftungsporträts, die Stiftungs- Homepage www.annalise-wagner-stiftung.de vermittelt dazu ausführliche Informationen!

Die jährliche Vergabe des Annalise-Wagner-Preises und dessen festliche Verleihung wurden 2005 aufgenommen in das Kulturentwicklungskonzept der Stadt Neubrandenburg als „Bestandteil des verstärkten Engagements der Stadt Neubrandenburg zur Förderung von Regionalkultur und -literatur und zur regionalen Vernetzung von Kulturförderung". Damit erfuhren sowohl der regionale Literaturpreis als auch das ehrenamtliche Engagement der Stiftungsmitstreiter eine ganz besondere Anerkennung und Unterstützung durch den Rechtsträger der Annalise-Wagner-Stiftung.

Die Stadt Neustrelitz ehrt ab dem Jahr 2006 den Annalise-Wagner-Preisträger mit der Annalise-Wagner-Medaille. Damit erinnert die Stadt Neustrelitz an ihre Ehrenbürgerin Annalise Wagner, an ihre Verdienste um das "Gedächtnis der Region" und auch an den besonderen Beitrag, den - in Annalise Wagners Sinne - Regionalliteratur und deren engagierte Autoren dafür leisten. Die erste Annalise-Wagner-Medaille verlieh der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Neustrelitz, Herr Karsten Rohde, am 24. Juni 2006 an Rainer Szczesiak aus Roga - und begründete damit kurz vor Annalise Wagners 20. Todestag eine neue Tradition mit großem symbolischen Wert.


Gern würde die Annalise-Wagner-Stiftung noch mehr Ideen umsetzen, um speziell Schreiben und Publizieren junger Leute zu fördern und öffentlich zu würdigen. 1999 war es durch die finanzielle Unterstützung der Neubrandenburger Sparkasse möglich, 2 Jugendpreise zu vergeben: Sie gingen an die junge Autorin Katharina Schlender für das Drama „Kegebein – ein Sommerspiel“ und an Beatrix Schmidt für ihre fachwissenschaftliche Arbeit „Burg und Stadt : Burg Stargard im Mittelalter“ .1998 schrieb die Stiftung anlässlich des 750. Stadtjubiläums von Neubrandenburg den Literaturpreis unter dem Motto „Alte Stadt und junge Leute“ speziell für junge Autoren aus - und konnte die originelle Studentenarbeit von Maria Neuhaus aus Fulda auszeichnen, die biografische Spurensuche in Neustrelitz verknüpfte mit einer streitbaren philosophischen Auseinandersetzung: „Hans-Jürgen Graf von Blumenthal (1907 - 1944) : War der militärische Widerstand im Dritten Reich eine zeitgemäße Form von Zivilcourage?“.

Anlässlich des 100. Geburtstages Annalise Wagners im Jahr 2003 beschloss das Kuratorium, dass die Jury des Annalise-Wagner-Preises ab 2003 die Möglichkeit hat, dem Kuratorium zusätzlich zum Vorschlag für den Annalise-Wagner-Preis den Vorschlag für eine „Lobende Anerkennung für junge Autoren“ zu unterbreiten. Diese Auszeichnung würdigt Arbeiten, die als Bewerbung oder Vorschlag für den Annalise-Wagner-Preis eingereicht werden und deren Autorin / deren Autor bis 27 Jahre alt ist. Die Dotierung beträgt 200 Euro und wird durch Spenden finanziert. Die erste „Lobende Anerkennung für junge Autoren“ erhielt der 27jährige Rostocker Student Silvio Jacobs für sein Manuskript „Das mecklenburgische Neustrelitz im Kontext frühneuzeitlicher Stadtgründungen“, das die Gründung von Neustrelitz in den deutschen und europäischen Kontext stellt und hilft, Lücken in der stadthistorischen Forschung zur mecklenburg-strelitzschen Barockstadt aufzuzeigen. Die Dotierung spendete die Neubrandenburger Sparkasse. Die zweite „Lobende Anerkennung“ erhielt 2005 die 22jährige Berliner Studentin Elisabeth Hofmann für ihr Manuskript „Ernst Barlach und Strelitz : Spuren in seinen Briefen und Schriften“, das Verknüpfungen von Neustrelitzer Stadt- und Kulturgeschichte mit Leben und Werk eines der bedeutendsten Künstlers der Moderne nachspürt. Diese Auszeichnung wurde mit einer Spende der Stadtwerke Neustrelitz GmbH finanziert. 2007 konnte durch das Engagement
der Druck + Verlag Linus Wittich KG aus Sietow (Landkreis Müritz) die dritte "Lobende Anerkennung" an den 27jährigen Potsdamer Studenten Mario Huth vergeben werden. Sein Manuskript "Charakteristik mecklenburgisch-brandenburgischer Beziehungen : eine  vergleichende Studie anhand der Genese westuckermärkischer Neusiedlungen" beschäftigt sich mit Auswanderern aus Mecklenburg bzw. Mecklenburg-Strelitz in das brandenburgische Dörfchen Zootzen vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert. Es  überzeugte durch akribische Recherche, „Querdenken abseits ausgetretener Historiker-Pfade“ und stellt aus „historischem Blickwinkel“ aktuelle Fragen nach Toleranz gegenüber Fremden, nach Integration von Einwanderern und Entwicklungschancen durch Migration.

Besonders nachhaltig förderte die Annalise-Wagner-Stiftung im Jahr 2001 die Aufarbeitung von Kulturgeschichte der Region – und einen engagierten jungen Historiker. Anlässlich des 300. Gründungsjubiläums von Mecklenburg-Strelitz und des 10. Errichtungsjubiläums der Stiftung wurde mit finanzieller Unterstützung der Stadt Neustrelitz, des Landkreises Mecklenburg-Strelitz, der Sparkasse Mecklenburg-Strelitz und der Neubrandenburger Sparkasse  erstmals ein Annalise-Wagner-Stipendium in Höhe von 10 000. – DM anstelle des Annalise-Wagner-Preises ausgeschrieben. Stipendiat Marco Zabel hatte die Aufgabe, die nachgelassene Korrespondenz Annalise Wagners, die im Karbe-Wagner-Archiv aufbewahrt wird, zu ordnen, archivarisch zu erschließen und die neu erschlossenen Quellen für Stadt-, Regional- und Kulturgeschichte zu bewerten.
Dass Marco Zabel durch diese „handwerkliche“ Tätigkeit angeregt wurde, sich als Historiker intensiv mit der Wechselwirkung zwischen Leben und Wirken Annalise Wagners und der Regional- und Landesgeschichte zu beschäftigen, beweist seine Annalise-Wagner-Biografie im 1. Heft der „Neuen Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs“. Dieses Heft ist dem 100. Geburtstag Annalise Wagners gewidmet und eine Hommage an die verdienstvolle Neustrelitzerin. Die Annalise-Wagner-Stiftung förderte es finanziell, weil damit nicht nur neue Quellen zur Biografie der Stifterin veröffentlicht werden, sondern auch weil es nachhaltig die Tradition der von Annalise Wagner begründeten verdienstvollen „Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs“ fortsetzt, neue Möglichkeiten des Publizierens über die Region Mecklenburg-Strelitz bietet und interessante Texte Annalise Wagners einer neuen Generation zur Verfügung stellen wird. Finanziell möglich wurde diese besondere „Förderung der Aufarbeitung mecklenburgischer Kulturgeschichte“ durch einen Sponsoringvertrag mit der Neubrandenburger Sparkasse.

Die Stiftung bemüht sich, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten interessante Manuskripte Annalise Wagners zu veröffentlichen oder Nachauflagen ihrer Schriften anzuregen. Dabei arbeitete die Stiftung erfolgreich zusammen mit der Regionalbibliothek Neubrandenburg, der Trägerin der Urheberrechte, mit der Zeitschrift „Carolinum“ oder mit dem Verlag Lenover Neustrelitz (der übrigens vom ersten Träger des Annalise-Wagner-Preises, Jörg Sachse, gegründet wurde). Über mehrere Jahre beschäftigte die Annalise-Wagner-Stiftung das Vorhaben, den in der Regionalbibliothek Neubrandenburg vorliegenden Briefwechsel Annalise Wagners mit Ernst Barlachs Lebensgefährtin Marga Böhmer aufzuarbeiten. Die handschriftlichen Briefe wurden transkribiert und von der Autorin Brigitte Birnbaum in Auswahl zur Veröffentlichung vorbereitet. Das Manuskript liegt in der Regionalbibliothek vor, wurde mehrfach für wissenschaftliche Zwecke genutzt, konnte aber aus urheberrechtlichen Gründen bisher noch nicht veröffentlicht werden.

Annalise Wagners Vermächtnis erfordert und fördert Bürgerengagement

Die Errichtung der Annalise-Wagner-Stiftung und deren erfolgreiche Arbeit ist nur möglich durch das Engagement, mit dem Bürger der Region persönlich Verantwortung übernehmen für dieses gemeinnützige Anliegen! Seit 1991 arbeiteten ehrenamtlich 39 Bürger aus Neubrandenburg und Neustrelitz, aus dem Landkreis Mecklenburg-Strelitz sowie der Region besonders verbundene Menschen aus anderen Bundesländern in den Stiftungsgremien mit. Die elf Kuratoriums- und fünf Vorstandsmitglieder bringen nicht nur ihre Freizeit in die Stiftungsarbeit ein, sondern vor allem kreative Ideen und interessante Blickwinkel aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Für eine stets konstruktive Zusammenarbeit mit dem Karbe-Wagner-Archiv Neustrelitz sorgten die Leiter des Archivs als Mitglieder im Vorstand bzw. im Kuratorium, für die Verbindung zur Stadt Neubrandenburg das ehrenamtliche Engagement des 1. Beigeordneten des Oberbürgermeisters als Vorsitzender des Vorstands und der Leiterin der Regionalbibliothek im Kuratorium.
Ein interessanter Gedanke ist: Zum Vermächtnis der Stifterin gehört auch, dass Stiftungsarbeit ganz praktische ehrenamtliche Tätigkeit vieler Bürger erfordert. Gerade dadurch wird – ganz in Annalise Wagners Sinne - ein Stück demokratischer Kultur lebendig, wird ein Mosaikstein zur Entwicklung der Bürgergesellschaft hinzugefügt.

Bürgergesellschaft heißt ja: Wir Bürger werden mehr und mehr selbst entscheiden, was uns z. B. kulturelle Vielfalt, regionale Identität oder eben eine lebendige Regionalliteratur wert sind: durch eigenes Engagement mit Zeit, mit Ideen – aber auch mit finanziellen Mitteln.
Und auch die Annalise-Wagner-Stiftung braucht das finanzielle Engagement von Spendern und Zustiftern! S Jeder einzelne "Spenden-Euro" hilft z. B. die Vergabe der Lobenden Anerkennungen für junge Autoren oder die Förderung von Publikationen „anzustiften“ und zeitnah zu realisieren. Wichtig ist es auch, die finanzielle Basis der Stiftungsarbeit, das Stiftungskapital, zu erhalten und zukunftssicher zu machen. Deshalb wirbt die Annalise-Wagner-Stiftung um Zustiftungen, die für ewig in das Stiftungskapital eingehen, nie „verbraucht“ werden und mit ihrem Zinsertrag über viele Jahre helfen, den Stiftungszweck zu erfüllen. Ein ganz besonderes „Stiftungs-Ereignis war deshalb die erste Zustiftung: Am 26. Mai 2004 informierte Dr. Heiko Denecke, Projektleiter der Initiative „Stiftungen für die östlichen Länder Deutschlands“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen im Sitz der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin zahlreiche interessierte Gäste über die aktuelle Stiftungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern und Zustiftungen als besonders nachhaltige, steuerlich geförderte, aber noch relativ unbekannte Form der Unterstützung des Stiftungsgedankens – und anschließend unterzeichneten Ralf Achim Rotsch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin, und Dr. Joachim Lübbert, Kuratoriumsvorsitzender der Annalise-Wagner-Stiftung, eine  Urkunde über Zustiftung von 1.000 Euro. Diese Zustiftung war nicht nur die erste für die Annalise-Wagner-Stiftung – sondern auch die erste Zustiftung überhaupt an eine Kulturstiftung in der Region Neubrandenburg / Mecklenburg-Strelitz! Zum 15. Stiftungs-Geburtstag 2006 freuten sich die Stiftungsmitstreiter über weitere Zustiftungen von Thomas Kraus und Jürgen Haase (150 Euro), Stefan Petzelt (150 Euro) und Hannelore Raemisch (150 Euro, 2008 erneut 150 Euro) aus Neustrelitz, von der Steffen GmbH (200 Euro) aus Friedland und von Michaela Möller, Annalise Wagners Großnichte, (150 Euro) aus Biberach. Seit 2007 gehört auch die Sparkasse Mecklenburg-Strelitz (1.000 Euro) zu den „Groß-Zustiftern“ der Annalise-Wagner-Stiftung und es gab die erste „Zweit-Zustiftung“ durch die „Erst-Zustifterin“ Sparkasse Neubrandenburg-Demmin (1.000 Euro).

Die Annalise-Wagner-Stiftung wünscht sich, dass diese Zustiftungs-Initiativen einen Impuls geben für die aktive Förderung von gemeinnützigen Stiftungen der Region durch Bürger und Unternehmen der Region. Spende, die Stiftungs-Projekte fördern, und Zustiftungen, die für ewig in Stiftungskapital eingehen, fördern nachhaltig gemeinnützige Zwecke und sind wichtige Formen bürgerschaftlichen Engagements!


Annalise-Wagner-Stiftung : Förderer des Stiftungsgedankens in der Region

Die Annalise-Wagner-Stiftung gehörte - durch Annalise Wagners Weitsicht und Zukunftsvertrauen und das Engagement der Stadt Neubrandenburg bei der Errichtung und bei der Förderung der Annalise-Wagner-Stiftung - in der Region Mecklenburg-Strelitz zu den „Pionieren des Stiftungsgedankens“ nach 1990 im Kulturbereich. Inzwischen steht sie als Kulturstiftung in der Region längst nicht mehr allein, gibt es gute Kontakte zu anderen „Kultur – Anstiftern“. Für die „dienstälteste“ Kulturstiftung ist es aber eine besondere Verpflichtung, dem Vermächtnis Annalise Wagners auch gerecht zu werden durch die aktive Förderung des Stiftungsgedankens.

Natürlich gehört dazu Öffentlichkeitsarbeit für den eigenen Stiftungszweck, z. B. der Einsatz von Stiftungsmitteln für die Publikation von Informationsmaterial, die Gestaltung von Ausstellungen, die Pressearbeit und die Betreuung einer eigenen Domain im Internet. Große öffentliche Aufmerksamkeit erfahren in jedem Jahr die Veranstaltungen zur festlichen Verleihung des Annalise-Wagner-Preises, die im attraktiven kulturellen Rahmen und an kulturgeschichtlich bemerkenswerten Orten der Region der Stiftung auch die Möglichkeit bieten, auf Annalise Wagners vielfältige Verdienste bei der Erforschung, Bewahrung und Vermittlung von Kulturgeschichte der Region hinzuweisen.

Im Jahr 1999 beteiligte sich die Annalise-Wagner-Stiftung an der Wanderausstellung „Stiftungen bauen Brücken : Stiftungslandschaft Mecklenburg-Vorpommern“ des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen, die u. a. im Landtag in Schwerin gezeigt wurde. Seit 2001 ist die Annalise-Wagner-Stiftung selbst Mitglied des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Sie engagiert sich seit 2004 außerdem im Initiativkreis „Stiftungen für Mecklenburg-Vorpommern“, der die Öffentlichkeitsarbeit für den Stiftungsgedanke in Mecklenburg-Vorpommern unterstützen, den Erfahrungsaustausch und die Zusammenarbeit von Stiftungen anregen möchte. Bereits am 26. Juni 2001 organisierte die Annalise-Wagner-Stiftung im Brigitte-Reimann-Literaturhaus in Neubrandenburg ein Treffen von Kulturstiftungen aus Mecklenburg-Vorpommern, das vom Bundesverband und der Presse als „erster Stiftungstag in den Bundesländern Nordost- und Mitteldeutschlands“ gewürdigt wurde, begründete damals gute Kontakte zu anderen Kulturstiftungen oder ganz praktisch inzwischen sehr oft „angeklickte“ Linksammlung „Kulturstiftungen in MV“ in der Stiftungshomepage. Auch am ersten Stiftungstag des Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern in Rostock im Februar 2005 beteiligte sich die Annalise-Wagner-Stiftung aktiv.


Annalise Wagners Vision eines regionalen Literaturpreises war ihr testamentarisches Vermächtnis – und wurde durch die Errichtung der Annalise-Wagner-Stiftung zu einem ganz realen Mosaikstein regionaler Kultur und regionaler Literaturförderung. Das Beispiel dieser kleinen, aber engagierten Kulturstiftung zeigt, wie Stiftungen in die Zukunft wirken: wie sie mit „privatem Kapital“ dauerhaft Gemeinnütziges „anstiften“, wie sie Bürgerengagement und demokratisches Mitgestalten fordern und fördern.
Weit in die Zukunft hinein wirkt Annalise Wagners Engagement für das „Gedächtnis der Region“: als Autorin, als Begründerin des Karbe-Wagner-Archivs, der Schriftenreihe des Karbe-Wagner-Archivs und des neuen Museums der Stadt Neustrelitz – und als Stifterin. Ihre Annalise-Wagner-Stiftung sensibilisiert Autoren, Leser und Öffentlichkeit dafür, welchen besonderen Wert gute Regionalliteratur für das „historische Gedächtnis“ der Region Mecklenburg-Strelitz hat, wie wichtig es ist, Regionalliteratur regional vernetzt zu fördern und wie vielfältig die Möglichkeiten sind, sich als Bürger aktiv dafür zu engagieren.

Annalise-Wagner-Stiftung
c/o Regionalbibliothek Neubrandenburg
Stargarder Straße 8
17033 Neubrandenburg

Telefon 0395 / 5551333, Fax 0395 / 5551348, stiftung.bibl@neubrandenburg.de
www.annalise-wagner-stiftung.de

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