| Annalise-Wagner-Preis
2010 für „Blankow oder Das Verlangen nach Heimat“ von Pauline de Bok, „Lobende Anerkennung für junge Autoren 2010“ für eine Kurzgeschichte von Marco Lehmbeck
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| Die Annalise-Wagner-Stiftung zeichnet mit dem „Annalise-Wagner-Preis
2010“ bzw. mit der „Lobenden Anerkennung für junge Autoren
2010“ zwei literarische Texte aus, die sich mit Dimensionen des
Begriffs „Heimat“ auseinandersetzen.
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| Die niederländische Autorin Pauline de Bok erhält den
„Annalise-Wagner-Preis 2010“ für ihren dokumentarischen Roman „Blankow
oder Das Verlangen nach Heimat“ (Weissbooks Verlag 2009, ISBN
978-394-0888-044, übersetzt von Waltraud Hüsmert).
Den mit 2500 Euro dotierten regionalen Literaturpreis vergibt die Annalise-Wagner-Stiftung seit 1992 jährlich an einen inhaltlich und sprachästhetisch hervorragenden Text von besonderer Bedeutung für das „Gedächtnis der Region Mecklenburg-Strelitz“ im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Pauline de Bok erzählt in „Blankow oder Das Verlangen nach Heimat“ mit authentischen Lebensgeschichten aus der Region Mecklenburg-Strelitz deutsche Geschichte aus ostdeutschem Blickwinkel und setzt Maßstäbe für das Genre „literarische Non Fiction“. Seine inhaltliche und literarische Qualität verleihen diesem Text nachhaltigen Wert für Erinnerungskultur und kollektives Gedächtnis, weit über die Region hinaus, für deutsche wie für niederländische Leser. |
Foto: Jan Banning |
| Im verfallenen Vorwerk
Blankow sucht die Ich-Erzählerin aus Amsterdam die Einsamkeit. Sie
findet Briefe einstiger Bewohner und beginnt, in Gesprächen, Archiven
und Dokumenten Lebensgeschichten aus der Zeit zwischen 1827 und der
Gegenwart „Schicht für Schicht frei zu legen“ (P. de Bok).
„Erinnerungsbruchstücke und Erinnerungslücken, Legenden und Fakten
– mit Schwerpunkt auf Nachkriegs- und DDR-Zeit - zeigen, wie das
‚Verlangen nach Heimat’ und der Verlust von Heimat
Lebensgeschichten prägt und Geschichte schreibt. Dabei wird auch das
Fortgehen der Einheimischen als Tragik dieses Landstrichs über
Jahrhunderte hinweg thematisiert“, heißt es in der Jurybegründung.
Mit dem „Blick von außen“ gelingt es der niederländischen
Autorin, „das Exemplarische“ in regional geprägten Schicksalen zu
sehen und „die große Historie … anhand von Einzelleben zu erzählen“
(P. de Bok). Sie unterstreicht diesen Anspruch auf Allgemeingültigkeit
durch die Entscheidung, „Blankow“ zwar erkennbar in der Region zu
verorten (Bezugspunkte wie Neustrelitz und Neubrandenburg sind
benannt), aber Ort und Personen zu anonymisieren. Pauline de Bok „möchte
dem Leser nicht den Ausweg offenlassen, dass es sich um einen
Einzelfall handele“. Wichtig ist der Autorin, dass „das Gedächtnis
der deutschen Zeitgeschichte … nicht einseitig von der westlichen
Nachkriegszeit … geprägt wird, dass es den Deutschen, die in der
ehemaligen DDR aufgewachsen sind und gelebt haben, gerecht wird“ (P.
de Bok). „Die einfühlsam, jedoch unsentimental in eine poetische
Sprache gebrachte Spurensuche zieht den Leser in ihren Bann, ohne ihm
die Distanz zu nehmen für eigene Assoziationen“, hebt die Jury des
Annalise-Wagner-Preises hervor. Der sachlich, leise, langsam erzählte
Text erfordert und ermöglicht, „dass sich die Leser ihr eigenes
Bild von Blankow machen, das aus ihren Erinnerungen hervorgeht und
sich in ihre Erfahrung fügt“ (P. de Bok). Aktive Erinnerungsarbeit
wird eingefordert, individuelle Auseinandersetzung mit Heimatbegriff
und Identitätssuche herausgefordert. Einen besonderen Anteil daran
haben die hervorragende literarische Übersetzung durch Waltraud Hüsmert
sowie die buchkünstlerisch anspruchsvolle Edition des
Weissbooks-Verlags. Pauline de Bok, geboren 1956, lebt in Amsterdam. Sie studierte Theologie, Philosophie und Germanistik, arbeitet als Journalistin, Übersetzerin und Autorin. „Blankow oder Das Verlangen nach Heimat“ erschien 2006 in den Niederlanden und 2009 im Frankfurter Weissbooks-Verlag in deutscher Übersetzung von Waltraud Hüsmert. Rezensionen, Kurzbiografie und Kurzbibliografie von Pauline de Bok sind online verfügbar: www.paulinedebok.nl, www.weissbooks.com
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| Zusätzlich
zum Annalise-Wagner-Preis vergibt die Annalise-Wagner-Stiftung in
diesem Jahr zum vierten Mal eine „Lobende Anerkennung für junge
Autoren“, gefördert durch die Firma neu.pro GmbH aus
Neubrandenburg. Die Auszeichnung geht an den 23jährigen Berliner
Marco Lehmbeck für seine – erste - Erzählung „Familie im Sommer
im Kahn“. Auch in dieser Kurzgeschichte geht es um den Wert von Heimat und Identität, hier aus der Perspektive Jugendlicher: „Während einer Reise nach Vietnam machen dem jungen Ich-Erzähler schlaglichtartige Erinnerungen an Kindheit und Jugend bewusst, was ihm persönlich Heimat bedeutet. |
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| Gewissermaßen ist die
Ferne, die Fremde, die somit gewonnene Lebens- und Welterfahrung für
ihn Anlass, über Heimat, Prägungen und Wurzeln zu
reflektieren…Zugleich findet der aus Fürstensee bei Neustrelitz
stammende Autor einprägsame sprachliche Bilder für seine Heimat
Mecklenburg-Strelitz.“, heißt es in der Jurybegründung.
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Mehr Informationen zur Stiftungsarbeit und zum
Annalise-Wagner-Preis: Geschäftsstelle Annalise-Wagner-Stiftung |
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